Wiederaufbau

Wiederaufbau im 19.Jahrhundert

Das Toleranzpatent Kaiser Josefs II. im Jahre 1781 konnte in der Steiermark nur mehr wenigen übergebliebenen evangelischen Christen die ersehnte Glaubensfreiheit bringen. Seitens der Obrigkeit und der die „rechtmäßige" Frömmigkeit der Bevölkerung bislang kontrollierenden Jesuiten war somit weder de iure noch (in religiöser Hinsicht) de facto ein Anlaß zum Einspruch gegen die Reparatur und Renovierung der Glattjochkapelle gegeben, welche offensichtlich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erfolgte. Im Rahmen dieses Wiederaufbaues wurde der seinerzeit zerstörte Eckteil der Westwand ausgebessert und die angrenzende Eingangsgiebelwand neu errichtet. Die mangelhafte Verzahnung zwischen dem Altbestand und der Reparaturergänzung ist mit Riß 1 deutlich erkennbar. Die statisch-konstruktive Sinnhaftigkeit der mächtigen Wandstärken des Altmauerwerks wurde den Ausführenden wohl erst bewußt, als sich die neu errichtete, aber viel zu schwach dimensionierte Eingangsgiebelmauer senkte und nach außen bog. Zu ihrer Abstützung mußte an ihrer Außenseite unverzüglich eine Vormauer aufgeführt werden, die somit durch eine durchgehende Arbeitsfuge 3 von ersterer getrennt ist. Diese Ergänzung wird möglicherweise schon während der Aufbauarbeiten, spätestens aber wenige Jahre darauf notwendig geworden sein.  Die ungenügende Verbindung der stehengebliebenen ursprünglichen Steinlagen der westlichen Seitenwand mit der Ausbesserung in der Eingangsecke (Riß 1) wurde mit Mörtel ausgeworfen. Durch das Abblättern der Kalkschlämme, mit der die Wände zur Aufhellung des nur spärlich vom Eingang her erleuchteten Kapelleninneren ausfgeweißelt worden waren, wurde dieser Mangel in der Ausführung jedoch in der Folge wieder sichtbar, da auch dieser Fugenmörtel unter den stets wirkenden Gefügesetzungen und Frostwechseln zerbröckelte und ausfiel.

Mehrere Indizien weisen darauf hin, daß nach dem Wiederaufbau der teilzerstörten Glattjochkapelle zum Anfang des 19. Jahrhunderts mehrere Jahrzehnte lang Wartungs- und Ergänzungsarbeiten durchgeführt wurden: Ein hölzerner Türriegel ist auf der linken Eingangsseite war in Höhe von 1,20 m über dem Fußboden in die Giebelwand eingemörtelt und wurde aufgrund einer dendrochronologischen Untersuchung  auf 1831 plus/minus 5 Jahre datierte

Das sonstige Steingefüge dieser neu im Zuge des Wiederaufbaues hergestellten Eingangswand ist als Trockenmauerwerk ausgeführt, wobei Fugen und Klüfte möglicherweise mit einem Sand-Lehmgemisch aus den Vorkommen in der unmittelbaren Umgebung hinterfüllt wurden. Kalkmörtel wurde offensichtlich nur sparsam verwendet, da der Kalk auf das Joch getragen werden mußte und erst hier gelöscht wurde, wie die kleine Kalkgrube und das Wasserloch vor dem Kapelleneingang zeigen.

Ansammlungen von abgeschwemmten Kalkplättchen der Wandweißelung befanden sich in den Ecken auf dem obersten Bodenhorizont, was mithin beweist, daß der Anstrich erst nach oder gleichzeitig mit der letzten Holzbodenerneuerung im Altarbereich aufgebracht worden ist; Durchfeuchtung und Frostwechsel führen in jedem Fall schneller zu einem Abblättern einer Kalkschicht von der Wand als zum Vermorschen eines Holzbodens.

Aufgrund dieser Fakten könnte der Wiederaufbau um 1831 angesetzt werden, wenn nicht sämtliche neun Münzen, die sich in der obersten Bodenschicht IV fanden, anhand der Jahreszahlen ihrer Prägung mit 1767, 1795 und 1805 zu datieren seien. Es wäre ein unwahrscheinlicher Zufall, daß ausnahmslos alle vorgefundenen Opfermünzen erst Jahrzehnte nach ihrer Prägung gespendet worden wären und keine einzige Münze neuer als 1805 gewesen wäre, wenn der Aufbau wirklich erst 1831 stattgefunden hätte. Die Restaurierung erfolgte somit in der Zeit zwischen 1805 und einiges vor 1826—1837 und umfaßte folgende Arbeiten: Die Ausbesserung der Westwandecke, die Neuaufführung der Eingangsgiebelwand, das Legen eines Plattenbodens aus Natursteinen und das Aufsetzen eines Holzschindeldaches auf das nur bedingt dichte Kraggewölbe

Abb.D

Weiters wurde eine Altarabschrankung geschaffen und ebenso der hölzerne Boden des Altarraumes und der hölzerne Altartisch.

Abb.E

Das von der ursprünglich stärkerenEingangswand nach der Errichtung der Ersatzwand 2 übriggebliebene Steinmaterial war außenseitig an der Südmauer der Kapelle aufgeschichtet (Depot D) und bildete das hintere Auflager für den Balkenkranz BK als Basis einer hölzernen Dachkonstruktion. Das in Abb. D, E dargestellte Aussehen des Daches ist eher eine Annahme, wie ein im 19. Jahrhundert errichtetes Dach hätte aussehen können. Das neue Außendach hielt zwar, solange es dicht blieb, die von oben kommenden Niederschläge vom Kapelleninneren fern, konnte aber nicht verhindern, daß Wasser entlang der schräg zum Kapelleninneren abstreichenden Naturfelsen einsickerte, sodaß die Seitenwände und der Boden zumeist feucht blieben. In der Folge wird der begangene Steinboden stets rutschig und verschmutzt gewesen sein, obwohl eine umsichtigerweise unter dem Plattenbelag verlegte Mittelrinne, welche vom Altarbereich bis unter den Schwellenstein des Ausganges führte, für die Ableitung des Sickerwassers sorgte.  Eine weitere Reparatur erfolgte um 1831 plus/minus 5 Jahre und umfaßte die Errichtung der oben erläuterten Verstärkungsvormauerung VB zur Eingangswand, die Erneuerung des Holzbodens im Altarraum, den Einbau einer Holztüre (wobei ein Verriegelungszapfen eingemörtelt wurde) und das Ausweißelin des Kapelleninneren.

Vermutlich mußte auch der angemorschte Altartisch ausgebessert oder erneuert werden. Die Eingangsvormauer wird wegen drohender Einsturzgefahr schon vor dieser Reparatur des Jahres 1831 erbaut worden sein.

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