Weitere Maßnahmen

Weitere Maßnahmen und Untersuchungen seit 1998

Altersbestimmung der Kapelle: Zum Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg waren im Frühjahr 2004 Kontakte geknüpft worden, um einen naturwissenschaftlichen  Beweis mittels „optisch stimulierter Luminiszenz“ (OSL)  für das Alter der Glattjochkapelle zu finden. Von Wissenschaftlern der Forschungsstelle Archäometrie ( Leitung Univ. Prof. Dr. G. Wagner)wurden im Juni 2004 und im September 2005 Gesteinsproben entnommen und im Heidelberger Labor untersucht. Leider erwies sich die  erst wenige Jahre  zuvor entwickelte Methode als wenig aussagekräftig, da fehlende Vergleichsstudien und der polymorphe Gesteinsbau der Probe keine eindeutige Alterszuordnung ermöglichten, wie sich aus der nachfolgend darüber verfassten Dissertation „Luminiszentdatierung von Gesteinsoberflächen am Beispiel der Glattjochkapelle/Stmk., Öst.“ Von Frau Dr. C Rhodius ergab.

Erforderliche Maßnahmen seit 2005: Die Kapellenstruktur hat als Trockenmauerwerk aufgrund der nicht dichten Außenhaut und der extremen Witterungsbedingung duch Durchfeuchtung und Frostwechsel stets kontinuierlich Schaden erlitten. Ein Materialverlust durch das „Ausrinnen“ von zunächst gefrorenen, dann auftauenden Feinteilen der Mittelschicht manifestiert sich in Formänderungen: Das Gebäude sackt ein, es treten Verschiebungen der Steinschichtungen auf.

Der ca. 1831 wiedererrichtete Eingangsbereich wurde damals nicht in ursprünglicher Wandstärke, sondern (aus Kostengründen?) wesentlich schwächer ausgeführt, was fatale Folgen zeitigte: Unter dem Auflastdruck des Dachkörpers neigte sich die zu schwache Vorderwand zunehmend nach außen. Der zusätzlich zur Abstützung bald nach 1831 aufgerichtete Vorbau VB zeigt, daß diese Verstärkung rasch erforderlich wurde, um einen Einsturz aus technischen Ursachen zu vermeiden. Eine wiederkehrende „Gretchenfrage“ bei der Rekonstruktion historischer Gebäude ist, welche Bauperioden man repliziert: Die ursprüngliche Gestalt, die kulturgeschichtlich wichtigste oder die zuletzt vorgefundene – falls man nicht in einem „Neo“-Stil nachempfindet (wie es zwischen 1850 bis 1915 Mode war) oder schlicht romantisches Ruinenambiente bevorzugt. Die Frage der Authentizität ist ein „alter Glaubensstreit“ unter Bauhistorikern!

Beim Wideraufbau der Glattjochkapelle 1996 wurde bedauerlicherweise die vorgefundene 1843-er Version erneuert, was durch den Auflastdruck wiederum zu Verschiebungen und zum Bruch des Sturzsteines des Kapelleneingangs führte. Wegen der drohenden Einsturzgefahr wurde die Kapelle im September 2005 provisorisch gepölzt, der Eingang verschlagen  und ein Warnschild „ Halt- nicht weiter! GEFAHR für die eigene und die Sicherheit der Bausubstanz. Keine Haftung“ außen angebracht. Ein Teilabtrag und die Wiedererrichtung des Eingangsbereiches erwies sich aus Kosten-und Zeitgründen, sowie mit Rücksicht auf Eigentümerinteressen als nicht realisierbar, sodaß eine metallene Stützkonstruktion gewählt wurde, die zusammen mit einem Glasvordach eine bewussten Gegensatz zur historischen Struktur akzentuiert. Das Material wurde per Hubschrauber auf das Joch geflogen. Die Montage erfolgte im Sommerbeginn 2008 und ist die Kapelle seither wieder zu betreten

Joomla templates by a4joomla