Erneute Auffindung 1994

Erneute Auffindung 1994, Freilegung 1995 und Wiederaufbau 1996

Das sozusagen „Erwecken aus dem Dornröschenschlaf“ der Glattjochkapelle ist wie so manches im Leben Zufall oder Fügung, oder wie man es immer nennen mag. Die Initialzündung dazu gaben jedenfalls die Erzählungen des Josef W., vulgo Meßnerbauer aus Donnersbach, welche das Interesse weckten.
Die Hilfe der freiwilligen Mitarbeiter, die Finanzierung seitens der Kapellenpatrone, Förderer und Spender, die Zustimmung der Grundeigentümer und die wachsende Begeisterung der Talbewohner für ihre Glattjochkapelle, alles fügte sich in wunderbarer Selbstverständlichkeit die das Werk wie von selbst gelingen ließen.
Die Freilegungsarbeiten erfolgten vom 2. bis 16. Juli 1995 unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Diether Kramer, Graz, durch Freiwillige, die sich teils nach Aufrufen zur Mitarbeit gemeldet hatten, zum Teil mit Dr. Kramer aus dem Landesmuseums Joanneum und der Universität Graz kamen.
Das Entfernen des Versturzmaterials aus der Kapelle ließ einen in seinen Dimensionen sehr beeindruckenden Bau hervortreten. Ihn wieder herzustellen und zu erforschen war die Zielsetzung des im Frühjahr 1996 erstmals zusammengekommenen KURATORIUMS GLATTJOCHKAPELLE, dem die vier Kapellenpatrone, die fördernden Institutionen und die Grundeigentümer angehören. Die meisten Beratungen des Kuratoriums fanden in der Folge bei Herrn Harald Boesch auf Burg Strechau statt.
Der Wiederaufbau der Glattjochkapelle erfolgte zwischen 30. Juni und 23. Juli 1996 wiederum durch freiwillige Helfer. Im Gegensatz zur Freilegung 1995, welche ohne technische Hilfsmittel, nur durch menschliche Muskelkraft, bewerkstelligt worden war, wurden die Wiederaufbauarbeiten durch den Einsatz eines Hubschraubers für den Materialtransport sowie durch Maschinen und eine Seilwinde erleichtert, die durch ein auf das Joch geschafftes Stromaggregat gespeist wurden. Auch ein Außengerüst erwies sich als sehr nützlich bei der Errichtung des Bauwerks. Trotzdem verlängerten die oft extrem ungünstigen Witterungsverhältnisse die geplante Einsatzzeit um einige Tage, doch konnte das Firstbäumchen am 23. Juli aufgesetzt werden.

Die Ausgestaltung des Bauwerks als Kapelle konnte sich wegen der geänderten Bedingungen nicht an der letztvorhandenen Einrichtung einer Landkapelle des 19. Jahrhunderts orientieren. Weder soll durch eine altertümelnde Replik derselben von der einzigartigen Innenraumarchitektur der Kragwölbung abgelenkt werden, noch ist das Betreten des Innenraumes durch zukünftige Besucher wünschenswert, da die bruchgefährdeten Steinplatten des Bodens unweigerlich weitere Sprünge außer den schon zuvor erlittenen hätten hinnehmen müssen. Der ursprünglich nur bis zum Altargitter reichende Plattenbelag wurde bis zur Hinterwand ergänzt, wobei zu Anschauungszwecken ein Teil der unter dem Steinboden verlaufenden Entwässerungsrinne freigelassen wurde. Das neu eingebaute schmiedeeiserne Eingangsgitter ermöglicht von außen den Blick ins dämmrige Kapelleninnere und auf das schlichte lärchene Holzkreuz, welches als einzige Einrichtung an der Hinterwand hängt, abgesehen von einer kleinen Tafel aus Sölker Marmor rechts des Einganges mit dem Namen der Kapelle.
Ein granitenes Steinkreuz, das ebenso wie das Eingangsgitter nach Entwürfen der Künstlerin Frau Naira Haidmayer-Geworkian gefertigt ist, ist auf der Schöttltalseite in rund 100 Metern Entfernung knapp vor der ersten talwärts führenden Kehre der alten Straßentrasse so situiert, daß es eine optische Verbindungsachse zwischen dem Schöttl-Jagdhaus und der Kapelle am Joch herstellt.

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